Bisher machten Sängerin Judith Holofernes und ihre drei männlichen Mitmusiker frech-frisch-fröhliche Popmusik mit deutschen Texten. Da ging's in Hits wie „Guten Tag" oder „Gekommen um zu bleiben" mit flottem Wortwitz um die neusten Mitteilungen aus der Wirklichkeit, um Revolte und Romantik, Zärtlichkeit und Tagträume. Nach drei Edelmetall-Alben ist die unbekümmerte Party-Stimmung nun erst mal vorbei. Holfernes, inzwischen zweifache Mutter, nutzte die dreijährige Babypause zur inneren Einkehr und Reflexion der heldenhaften Erfolgsgeschichte, weshalb die Platte aus ihrer Sicht „in der Essenz weniger Haha, dafür mehr Hmm" sei. Das zeigt schon das nachdenkliche Titelstück, mit dem Wunsch nach Beständigkeit und Geborgenheit, „auch einem Bedürfnis nach Verstummen und Stille" wie Holofernes erklärt. „In diesem und manchen anderen Songs ist die Sehnsucht nach einem realen Zuhause immer da, was der Tatsache geschuldet ist, dass wir so viel unterwegs waren." Das mag auch die vom Schmerz absurd-verzerrte Ballade „Meine Freundin war im Koma und alles was sie mir mitgebracht hat war dieses lausige T-Shirt" erklären, oder das nostalgische Beziehungskisten-Drama „Die Ballade von Wolfgang und Brigitte" - Songs die die Band verstärkt mit akustischen Klangtupfern von Akkordeon, Oud, Banjo und Glockenspiel instrumentiert. Die bisherige Erfolgsformel aus 28% Synthie, 34% Punk und 38% Pop gilt nicht mehr - auch wenn das Resultat ebenfalls 100 Prozent Wir sind Helden ergibt. Nur anders.