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Amy Winehouse
 
 
Lioness: Hidden Treasures
 
 
 

Ihr Tod am 23. Juli 2011 hat viele Fragen aufgeworfen. Etwa warum der 27-Jährigen nicht bei der Bewältigung ihres  offenkundigen Alkohol- und Drogenproblems geholfen wurde, warum man sie nicht aus der Schusslinie der allgegenwärtigen Paparazzi genommen hat, aber auch wie viele neue Songs die britische Ausnahmesängerin seit ihrem Meilenstein ‚Back To Black‘ aufgenommen hat. Die Antwort auf letztere Frage fällt ernüchternd aus: Ganze drei Stücke – in geschlagenen sechs Jahren. Und das trotz etlicher Studiobesuche auf Barbados und in Miami. Was zeigt, wie verloren die kleine, zierliche Frau mit der monströsen Bienenkorbfrisur wirklich war, und wie hochgradig arbeitsunfähig. Dabei – und das ist die Ironie – schien sie in den Monaten vor ihrem Tod fast noch einmal die berühmte Kurve zu kriegen. Wovon ihr grandioses Duett „Body And Soul“ mit Altmeister Tony Bennett zeugt – ein Highlight seines aktuellen Album ‚Duets 2‘, das die beiden im Frühjahr 2011 in London aufnahmen.

Doch dann verpatzte Amy den Start ihrer Europatournee in Serbien und wurde rückfällig. Mit verheerenden Folgen: Am 23.7. wurde sie tot in ihrer Wohnung im Londoner Stadtteil Camden aufgefunden, mit 4,17 Promille im Blut. Eine klassische Alkoholvergiftung. Und das Ende einer Achterbahnkarriere, die 2003 mit dem Debüt ‚Frank‘ so verheißungsvoll begonnen hatte. Eben als Besitzerin eines herrlich verruchten Organs, die HipHop, Jazz und Soul vereinte, ein optisches Gesamtkunstwerk darstellte und 2006 mit ‚Back To Black‘ ihren künstlerischen Höhepunkt erreichte – nur um privat ein regelrechtes Waterloo zu erleben. Mit einer gescheiterten Ehe, zahlreichen Affären, erfolglosen Therapien und immer neuen Abstürzen.

Ein Sumpf, aus dem sich Amy nie befreien konnte. Logische Folge: Was nun auf ´Lioness: Hidden Treasures´ als Nachlass vereint wird, birgt wenig wirklich Neues und Überraschendes. Dafür aber eine Art Werkschau, die das volle Talent und die beeindruckende stilistische Bandbreite der Künstlerin verdeutlicht. Sei es mit Coverversionen wie „The Girl From Ipanema“ (Antônio Carlos Jobim), „Our Day Will Come“ (Ruby & The Romantics), „Will You Still Love Me Tomorrow“ (Carole King) und “A Song For You” (Leon Russell). Dazu alternative Versionen und Demos von Hits wie “Valerie”, „Tears Dry” oder „Wake Up Alone“, die sich hier zwischen Reggae, Doo-Wop und Rocksteady bewegen. Außerdem der Live-Standard „Best Friends“ sowie Kollaborationen mit Nas („Like Smoke“) und eben Bennett. Alles mit geballter Leidenschaft, jeder Menge Herzschmerz und der mustergültigen Produktion ihrer langjährigen Spezis Mark Ronson nebst Salaam Remi. Und eine Veröffentlichung, die Amy noch einmal ins rechte Licht rückt. Album Nummer drei – das allerdings ist die ernüchternde Erkenntnis – hat es jedenfalls nie gegeben. Nicht einmal im Ansatz.

 
 
(Marcel Anders)
 
 
 
 
 
 
VÖ Datum:
02.12.2011
 
 
EAN Code:
0602527903330
 
 
Artikelnummer:
2790333