Wer mit einem Album seine Hörer direkt „abholen“ möchte, sollte ungefähr zehn Sekunden nach Beginn des Titeltracks den Gesang einsetzen lassen. Solche „Weisheiten“ lernt man in Band-Seminaren. Sport beweisen, dass das Quatsch ist: „Wer führt dein Leben?“ benötigt eine volle Minute, bis Felix Möller uns „Mach deine Augen auf und komm erstmal zu dir“ entgegen singt und vom ersten Ton an überzeugt. Schon wundert man sich - wie schon im Fall der ersten drei Alben – warum Sport nicht längt viel größere Aufmerksamkeit zukommt. Der treibende Indie-Rock strotzt nur so vor Energie und ist angenehm clever, ohne dabei verkopft zu wirken. Zentrale Textinhalte sind das Scheitern und doch Weitermachen, das Ausprobieren und das Risiko. „Und ob das Eis uns trägt, wissen wir erst, wenn wir es wagen draufzugehen“, heißt es im Duett „Dünnes Eis“. Ansonsten wagt man sich auch an die ganz großen Themen. „In einem Land nach unserer Zeit“ wird einfach mal die gesamte Evolution abgehandelt. Und welche andere Band kann schon einen Song über einen melancholisch-depressiv verstimmten Gevatter Tod („Der Tod singt den Blues“) schreiben, ohne dabei lächerlich zu klingen?!